Vom gekenterten Schiff…

…zum abhebenden Flieger

Seit zwei Tagen sind die Orchesterretter.de online, und wir haben uns mit ihnen verbündet. In unserer Kategorie ich stimme zu landet ihr zum Unterzeichnen auf der Seite der Retter, und jetzt erst recht möchten wir Euch bitten, den Link zu nutzen, zu unterzeichnen und möglichst viele Leute auf die Liste aufmerksam zu machen.
Unsere Seite hier soll weiterhin als Plattform für Kommentare, Kritik, Debatten u.s.w.  erhalten bleiben. Die Frage der Kultur im Rundfunk, der Rundfunkkultur und der kulturellen Entwicklung unserer Gesellschaft überhaupt sollte eingehender und breiter diskutiert werden, als es bisher der Fall ist.

gez. Das-Rascheln-im-Unterholz

 

113 Gedanken zu “Vom gekenterten Schiff…

  1. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde: Ich stimme und schreie so laut wie móglich fúr den Erhalt des SWR-Sinfonieorchesters, in dessen Existenz ein fundamentaler Teil der Kultur des XX. und XXI. Jahrhunderts lebendig wurde.

  2. Ich bin gewiss kein häufiger Nutzer von Kommentarfunktionen, aber Herrn Neuhaus möchte ich dann doch einmal antworten, denn er benutzt ein vielgebrauchtes, quasi das “klassische” Argument im Kulturstreit: Die Wirtschaftlichkeit.
    Freilich ist ein Orchester billiger als zwei, das konnten die Herren von McKinsey ja auch ausrechnen.
    Es ist auch billiger, wenn ich mir ein Buch kaufe statt zehn.
    Ebenfalls lebe ich viel wirtschaftlicher, wenn ich in die Disco/ins Kino gehe statt ins Theater/Konzert, denn das ist selbst auf den Studentenplätzen schon deutlich teurer.
    Aber: Davon werde ich nicht unbedingt klüger! Denn die Wirtschaftlichkeit oder der Sparzwang sind eben nur EIN Argument, aber niemals das einzige! Die Rundfunkgebühren gibt es ja gerade deshalb, dass sich das Programm nicht nur an billigem Massengeschmack ausrichten muss – und das SWR-Orchester Baden-Baden/Freiburg ist tatsächlich das EINZIGE Orchester für Avantgarde (bitte nennen Sie mir ein anderes Orchester dieser Spezialisierung (und nicht Ensemble), Herr Neuhaus, wenn Sie so viele kennen).
    Das Masseninteresse wird schon von genug Einrichtungen befriedigt. Oder bildlicher: Unkraut gedeiht überall. Orchideen muss man pflegen. Und wenn Sie sich auf der Orchesterretter-website kundig machen, können Sie sich überzeugen, dass es offensichtlich viele Menschen gibt, die weiterhin Orchideen sehen möchten.

  3. Das RSO wurde im Jahre 1945 auf Schutt und Asche aufgebaut. Ich glaube nicht, dass damals mehr Geld vorhanden war, als heute. Die Menschen hungerten nach Nahrung UND Kultur. Heute soll das Orchester wieder zerstört werden. Armes Deutschland!

  4. “Kultur – wozu?” – Seit rund zweieinhalb Jahrzehnten stelle ich Künstlern im Kern diese Frage. Habe es kommen sehen, dass irgendwann eine politische Mehrheit meint, Kultur wegrationalisieren oder den Marktgesetzen unterwerfen zu können.

    Vielen schien die Antwort zu selbstverständlich, um sie auszusprechen. Musiker sind oft zu sehr mit Üben beschäftigt, um sich über das „Wozu?“ Gedanken zu machen. Anderen ist die Sache mit Recht zu komplex für eine handliche Formulierung.

    Die meisten geben die Antwort in ihrer Kunst. Um sie unter die Leute zu bringen, braucht ein heutiger Komponist ein Orchester, das seiner Tonsprache gewachsen ist – wie in einzigartiger Weise das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg!

    Doris Kösterke

  5. Ich stimme für den Erhalt der Orchester und meine, es ist wieder dringend mehr Kultur- und Musik(bildungs)bewusstsein in unserer Gesellschaft erforderlich. Es ist beschämend, dass es in dem Land der Dichter und Denker und zahlreicher grosser Komponisten zunehmend nur noch um Sport, Finanzen und Gewinnmaximierung geht—-meist gewinnt der Rücksichtslose und Machtorientierte. Entsprechend brauchen wir m.E. auch noch mehr Philosophische Quartette mit entsprechender Öffentlichkeit, zusätzlich zu den musikalischen……..

    • Eine Sache wird dadurch zur tollen Sache, wenn sie dem Publikum gefällt und es genügend Interessenten gibt, die für diese Leistung einen kostendeckenden Preis bezahlen. Dann trägt sich ein Orchester und keiner redet von Fusion. Beim RSO Stuttgart war das offenbar nicht so.

      • Sie sollten auch andere Standpunkte als Ihren eigenen akzeptieren. Offensichtlich gibt es hier ja doch eine Anzahl Menschen, die Steuern bzw. GEZ gerne in Kultur investiert sehen möchten. Ihnen bleibt ja die Steuerflucht bzw. Auswanderung als letztes Mittel. Ich ertrage manche Mitbürger auch nur schwer, kann Ihren Frust also durchaus nachvollziehen.

        • Herr Neuhaus, ist Publikumsgeschmack für Sie der einzig geltende Maßstab? Glauben Sie denn nicht, daß sich dieser wandeln kann? Stellen Sie sich bitte eine Welt vor, in der das ausschließlich so wäre…fürchterlich.

      • Eine Schande für eine Kulturnation. Auswärts top, Daheim …?
        Stuttgart 21 hätte man sich sparen können.
        Warum schließt man denn nicht auch einfach alles, was geht?
        Lasst doch die Schulen schließen, die sind nicht wirtschaftlich.
        Lasst doch die Krankenhäuser schließen, die sind nicht wirtschaftlich.
        Lasst doch einfach alle Bürger anketten, arbeiten und unter Drogen setzen! Fantastisch!
        Lasst doch einfach den gesamten Rundfunk schließen und von dem übriggebliebenen Geld Atomwaffen bauen.
        Das rentiert sich sicherlich!!!

        Kein anderes Land hat so wichtige Leute wie Beethoven, Bach etc. hervorgebracht. Eine Schande, dass überall auf der Welt alle Leute besser die Kunst verstehen können als das eigene Volk selbst. Wer sagt denn, dass nur die Amerikaner verblöden?
        Ach egal, RTL 2 an und Bier raus, das ist “das Niveau”.

        Wenn das Adolf wüsste. Der wusste sogar besser bescheid.

        Es gibt einen KULTURAUFTRAG. Klassische Musik ist keine Unterhaltungsindustrie. Da verwechseln wohl manche Leute etwas. Diese Peinlichkeit sollte jeder Verantwortliche vor seinen Eltern, Großeltern und allen Generationen in der eigenen Familie.

        Politiker stellen für sinnfreie Infrastrukturen jährlich Millionen Euro zur Verfügung, ja sogar für einen Hauptbahnhof in der Minicity Stuttgart.

        Wo ist da irgendeine Relation?

        Eine Schande.
        Was wohl passieren wird, wenn BW keine Intellektuellen hat.

        Es passt doch: Ein Staat von Ignoranten für Ignoranten.

  6. Zum Leben ,zum Überleben und zur Krisenbewältigung gehört Vielfalt .
    Das ist in der Natur so und ebenso in der Kultur .Wer in der Kultur die Vielfalt
    ausdünnt ,schwächt die Gemeinschaft.Wir haben nicht zu viel Kulturschaffende ,wir haben zu viel Wegrationalisierer. Wir brauchen jedes Orchester !
    MfG Wolfram Leinß

    • Doch etwas hinzuzufügen: Kürzung ist Bereicherung.
      Ein Orchester weniger, das sich zu wenig am Geschmack des Publikums orientiert (wie wären sonst die roten Zahlen zu erklären?), wobei dem Avantgardisten immer noch andere einschlägige und staatlich subventionierte Orchester zur Verfügung stehen. Auf der anderen Seite geringere staatliche Ausgaben durch die Fusion. Daher fühle ich mich als Steuerzahler bereichert.

      • Nach dieser Logik darf Kultur gar nicht subventioniert werden. Der Markt regelt dann den Kulturbedarf.
        Ohne eine kulturelle Infrastruktur wird Deutschland weniger lebenswert. Orchester sind für den Fortbestand unseres Wohlstands genauso wichtig wie Straßen oder Bahnhöfe. Es gibt hoffentlich eine Mehrheit in diesem Land die Reichtum nicht nur materiell bemisst.
        Sie sind außerdem nicht gut informiert. Diese Orchester werden durch die Rundfunkanstalten finanziert. Wenn sie lieber möchten dass das Geld in irgendeine neue Kochsendung investiert wird….

      • Herr Neuhaus, Sie posten einen unerträglichen Schwachsinn. Hören Sie doch wirklich Klassikradio, da sind Sie nach Ihrem Geschmack bedient! Sie müssen einfach immer widersprechen und behaupten Dinge, die Sie selber nicht belegen können. Übrigens: ein Orchester, das sich am Geschmack des Publikums orientiert , ist das von Andre Rieu!

      • Zitat von Dr. Norbert Lammert (Festrede anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Kulturstiftung des Bundes
        Am 22. Juni 2012 in Halle (Saale)):

        “2. Öffentliche Ausgaben müssen sich rechtfertigen. Kulturausgaben auch – ganz selbstverständlich. Zur Konsolidierung öffentlicher Haushalte sind Kulturetats dagegen völlig ungeeignet. Dafür ist ihr Anteil an den Gesamtausgaben zu gering und ihre Bedeutung zu hoch. Relativ zu den Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte betragen die Kulturausgaben in Deutschland 1,7 Prozent: etwas weniger als 1 Prozent beim Bund, etwas weniger als 2 Prozent bei den Ländern, etwas mehr als 2 Prozent bei den Gemeinden. Der Anteil der Kulturausgaben in diesem gerade vorgetragenen Sinne an unserem Bruttoinlandsprodukt beträgt überschaubare 0,4 Prozent. Das ist jedenfalls keine Größenordnung, bei der Künstler und Kulturfreunde in eine geradezu psychedelische Stimmung geraten, und es ist eben auch keine Größenordnung, bei der Kämmerer und Finanzminister ernsthaft in Depressionen verfallen.”

        Welcher Steuerzahler fühlt sich jetzt bereichert?

  7. Ich fordere ebenso” Freie Fahrt für die Costa Cultura” und schließe mich uneingeschränkt dem Kommentar der Gruppe “Das Rascheln im Unterholz” an. Ich bitte ebenso die Verantwortlichen, den Fusionsplan der beiden SWR-Sinfonieorchester vom Tisch zu nehmen.

    • Ich würde nicht so weit gehen, dass es nur in Deutschland eine einzigartige Orchesterlandschaft gibt.
      Auch nicht so weit, dass diese Landschaft mit der geplanten Fusion zerstört würde. Warum wägen wir nicht einfach das Für und Wider einer Fusion ab?

      • Die Orchesterlandschaft in Deutschland ist sowohl quantitativ wie auch qualitativ (in der Breite wie auch in der Spitze) international führend. Wenn Sie das bestreiten wollen sollten sie doch einmal die Zahl der verkauften CDs (Sie sind doch Fan von quantifizierbaren Erfolg?!) vergleichen.

  8. In der Sache bin ich hundertprozentig auf eurer Seite, beide Orchester müssen ohne jede Einschränkung erhalten bleiben! Aber die Sprache, die Schiffsmetapher, die ihr wählt, um euer Anliegen deutlich zu machen – und zwar meine ich genau die ersten neunzehn Zeilen eures Textes, wenn man die Überschrift und die Zwischenüberschriften mitzählt -, finde ich gewollt, bemüht, kontruiert, albern, zwar sympathisch, aber wenig sachdienlich. Und “gez. Das Rascheln im Unterholz” fällt auch noch darunter.

    • Also das mit der konstruierten und wenig sachdienlichen Sprache sehe ich auch so.

      In der Sache selbst bin ich auf der Gegenseite. Siehe auch die anderen Kommentare.

  9. Das RSO Stuttgart ist ein Klangkörper von Weltruf. Solch eine lange und bedeutende Tradition darf in Zeiten, in denen Milliarden durch pure Dummheit einfach verbrannt werden, nicht kaputt gespart werden!

    Das wäre völlig unverhältnismäßig!

    • Nichts gegen die Qualität des RSO Stuttgart.
      Aber in Zeiten knapper Kassen bringen Denkverbote gar nichts.
      Den angeblich verbrannten Milliarden stehen Gegenleistungen gegenüber.
      Wenn das RSO Stuttgart weiter existieren und damit die doppelten Kosten eines fusionierten Orchesters rechtfertigen soll, genügt es nicht einer elitären Minderheit zu gefallen, sondern man muss breite Massen anziehen.
      Auch Kultur muss sich letztlich selbst tragen. Nicht immer nur die Hand nach öffentlichen Geldern ausstrecken.

      • Kultur muss sich also selbst tragen? Wie kommen Sie zu dieser Auffassung? Unsere Gesellschaft entscheidet demokratisch über die staatlichen Aufgaben. Neben Bildung, Infrastruktur etc. gehört dazu eben auch Kultur. Sind Sie Anarchist?

  10. Schade, dass der Kultur- und Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten immer mehr zu einem Buhlen um die “Kundschaft” der kultur-schwachen, blassen, sehr oft auch peinlichen privaten Sendeanstalten verkommt. Ich erwarte für die Entrichtung der Rundfunkgebühr den Erhalt einer qualitativ hochwertigen Kulturlandschaft und somit den Erhalt der beiden Radiosinfonieorchester!
    Regina Faller

    • Jeder Kinobetreiber oder private Schausteller, der nicht am öffentlichen Tropf hängt, muss sich danach richten, was das Publikum will. Das ist Angebot und Nachfrage.
      Bezeichnend, wie sich manche darüber hinwegsetzen und das als “Buhlen um die Kundschaft” meinen verächtlich machen zu dürfen.

      • Fast alle Filme aus Deutschland bzw. Europa werden durch öffentliche Gelder zumindest teilweise finanziert. Auch der Kinobetreiber profitiert davon.
        Ihre marktradikalen Thesen haben Gott sei Dank mit der Realität nicht viel gemein.

      • Wohl dem, der trotz der vielzitierten und oft genug auch hochgespielten Sachzwänge zu erkennen vermag, dass es andere künstlerische und ästhetische Maßstabe gibt als den Geschmack eines häufig nicht einmal ausreichend informierten Publikums. Aufgabe der Kulturpolitik könnte, sollte und müsste es sein, an dieser oft genug beschämenden Ausgangslage etwas zu ändern, statt sich durch sie auch noch bei weiteren Einschnitten zu rechtfertigen. Auch eine “Matthäuspassion” oder eine “Hammerklaviersonate” zählten zu ihrer Entstehungszeit nicht eben zu den Publikumslieblingen; die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Frei nach Lichtenberg: Wenn ein Orchester und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Orchester? Ein Glück, dass man sich hierüber zusehends weniger Sorgen zu machen und sich mit solch unnötigen weil nicht nachgefragten (auch neuen) Werken auseinanderzusetzen braucht, da ja alle nicht einem kommerzfreundlichen Mainstream huldigenden Interpreten schon mangels Quote die wohlfeilen Scheinargumente zu ihrer Mißachtung liefern.

  11. In diesem Lande sind Ratlosigkeit,Fehlentscheidungen und mangelndes kulturelles Bewußtsein auf erschreckende Weise im Begriff,zur “Normalität” zu werden.
    In diesem Sinn geht es jetzt unersetzlichen Kultureinrichtugen an den Kragen,auf die man mehr als stolz sein sollte und die zu bewahren und unterstützen eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Es gab und gibt glücklicherweise ARD-Intendanten,für die der Erhalt eines Spitzen-Orchesters nicht zur Diskussion steht.

    Also bitteschön:verwerfen Sie ein für allemal diese destruktive,kurzsichtige Idee und fördern Sie stattdessen Ihre beiden Klangkörper,deren Reputation sich auf die ganze Region auswirkt!

    • Warum sollte eigentlich das RSO Stuttgart unersetzlich sein? Vielleicht ist ein fusioniertes Orchester mit den jeweils besten Interpreten ja sogar noch besser? Warum ist die Fusionsidee kurzfristig und destruktiv? Destruktiv ist hingegen dieser und ähnliche Beiträge, deren Tenor stets ist: Für Kultur muss immer öffentliches Geld da sein, egal woher es kommt. Konstruktiv wären Alternativvorschläge, wie auf andere Weise gespart werden kann. Aber in diese Niederungen will man offenbar nicht hinab.

      • Orchesterkollektive entwickeln im Laufe der Zeit unverwechselbare künstlerische Fingerabdrücke, ähnlich wie Maler oder darstellende Künstler. Bei einer Fusion gehen beide “Identitäten” verloren. In den Orchestern ist in den letzten 30 Jahren immer gespart worden. Musiker arbeiten für ein Gehalt, das ihrer Qualifikation einfach kaum noch entspricht. Daher sind Fusionen/Abwicklung die letzten Möglichkeiten Kosten zu senken. Ein fusioniertes Orchester kostet am Ende mehr als die Hälfte, dafür halbiert sich die Zahl der möglichen Konzert, Tourneen und des gespielten Repertoires. Wo soll da der Mehrwert sein?

      • Ein aus einer Fusion entstandenes Orchester ist doch kein besseres Orchester! Die Musiker beider Orchester sind bereits so hochqualifiziert, dass die Vorstellung, eine Fusion wäre so etwas wie eine Elitenauswahl absurd ist.

        Unter anderem bedutet eine Fusion dafür eine weitere Zentralisierung. Zu vermuten ist, dass mal wieder die Landeshauptstadt den Zuschlag bekommen würde und die “Randlagen” Freiburg und Baden-Baden den Kürzeren ziehen würden.

    • Falsch. Die Gesellschaft braucht kulturelle Infrastruktur, die sich selbst trägt. Ist das so schwer? Der Künstler muss dem Publikum gefallen, nicht sich selber. Und er muss sich nach seinen finanziellen Möglichkeiten richten (ja das ist tatsächlich machbar, wenn auch für viele nicht vorstellbar). Dann gibts auch keine finanziellen Probleme und keiner diskutiert eine Fusion..

      • Die Gesellschaft braucht so einiges, was sich nicht selbst finanzieren kann: ein funktionierendes Gesundheitswesen, Verkehrswege…

        Wieso, Herr Neuhaus, sind Sie so vehement dafür, dass sich ausgerechnet hochwertige Kultur selbst tragen muss?

      • Es geht bei der Förderung von Kultur (z.B. bildende Kunst, Orchesterkultur, öffentl. Bibliotheken etc.) bei weitem nicht um Massenkulter und darum ging es auch geschichtlich betrachtet noch nie. Sie war fast immer finanziell abhängig von Fürsten, Regierungen, Gönnern etc., d.h. nicht selbsttragend bzw. der Nachfrage entsprechend, und trotzdem (!) notwendig, da sie nachweislich bis heute unsere Entwicklung und kulturelle Identität beeinflusst. Das bedeutet, dass es nicht angebracht ist bei Kultur nur auf Zahlen zu schauen. Das Hauptproblem besteht darin, dass wir, wenn wir den Kultur- und Bildungsabbau in dieser Weise weiter vorantreiben, zwar kurzfristig einige Millionen sparen, langfristig jedoch unsere Gesellschaft geistig gnadenlos verarmen wird. Den Rang des “Landes der Dichter und Denker”, also den einer Bildungsnation, haben wir schon lange verloren. Das haben diverse internationale Studien wie z.B. Pisa gezeigt. Das bedeutet, das es immer mehr bildungsferne Menschen gibt. Dieser Trend wird durch Sparmaßnahmen wie jene im SWR bestärkt, weil wir immer mehr Bildung gegen die Verlockung der “rentablen” Massenkultur eintauschen. Kurzfristig sparen wir wie schon gesagt ein paar Millionen. Langfristig hingegen wird unsere Gesellschaft an Intellekt nachlassen und an geistiger Faulheit zunehmen. Das ist absehbar, da es wie gesagt schon angefangen hat. Und das hilft weder Politik noch Wirtschaft. Der einzig richtige Schluss ist also in Bildung und Kultur zu investieren. Und das ist die Aufgabe des Staates, da es Aufgabe des Staates ist ein Land, d.h. eine Kultur, in die Zukunft zu führen. Und wenn eine Regierung das nicht macht, wird sie ihrer Verantwortung nicht gerecht.

  12. Oh mein Gott, ich habe immer diese beiden RSO als die besten deutschen Orchester überhaupt empfunden und gleichzeitig sind sie die Mutigsten in der Realisierung der zeitgenössiscchen Musik: Natürlich müssen sie beide erhalten bleiben, jedes für sich ist eine eigene Klasse.

  13. Nein zur Fusion! Der in fast allen sparten zu beobachtende Kulturabbau hat beängstigende Ausmaße angenommen, ist aber primär politisch gewollt, auch die früheren Sponsoren aus der Wirtschaft streichen die Flagge und haben nur nur noch den Profit im Blick. Nur basisdemokratische Aktionen haben noch den Hauch einer Chance, irgendwo irgendwie irgendwann etwas zu bewirken.

    • Jawoll, es lebe der Sozialismus! Natürlich hat auch die böse kapitalistische Wirtschaft schuld. Es ist ja auch wirklich unerhört, wenn ein Wirtschaftsunternehmen Gewinn erwirtschaften will, um damit Arbeitsplätze zu schaffen oder zu erhalten und um die Steuern zu zahlen, damit einige Intendanten aus dem Vollen schöpfend sich selbst verwirklichen und eine ganz spezielle Kunst für eine kleine Minderheit machen können. Welche “basisdemokratische Aktion” haben Sie sich eigentlich vorgestellt?

      • Vielleicht lesen Sie auch einmal die anderen Kommentare bzw. informieren sich: Die beiden Orchester werden nicht aus Steuermitteln, sondern aus den Rundfunkgebühren finanziert.

        Und Beethoven, Mozart und die gesamte Musik der vergangenen Jahrhunderte als “ganz spezielle Kunst für eine kleine Minderheit” zu bezeichnen, disqualifiziert Sie endgültig! Schauen Sie sich doch einmal die Programme der beiden Orchester überhaupt einmal an!

        Ich habe das Glück, immer wieder mit Schülern Proben und Konzerte des RSO mitzuerleben, aus denen diese überwiegend begeistert herauskommen. Wissen Sie, was eine Eintrittskarte kosten würde, wenn sich ein solches Konzert durch deren Verkauf finanzieren müsste?

        Herr Neuhaus, gerade hochwertige Kultur MUSS von der gesamten Geselllschaft finanziert werden, wenn sie sich nicht selbst tragen kann! Es geht nicht um das Vergnügen einer kleinen Minderheit – es geht um das kulturelle Erbe unserer Gesellschaft!

  14. Klassische Musik ist deutsches Kulturgut und wird überall auf der Welt bewundert.
    Warum lassen wir zu, dass diese Kultur immer kleiner gekürzt wird?
    Jedes Orchester erhält, pflegt und ermöglicht musikalische Neuinterpretationen und beeinflusst neue Kompositionen. Ein Orchester zu streichen heisst letztendlich, dass Möglichkeiten zum musikalischen Ausdruck von menschlichen Gefühlen wegrationalisiert werden.
    Ein Orchester an seinem Ort erfüllt dort seinen Sinn und Zweck, Menschen zu sensibilisieren; nichts Minderes als die Vertonung der menschliche Freiheit! Beide Orchester müssen erhalten bleiben!

  15. Beide Orchester machen gute Programme. Lieber soll mann arbeiten noch mehr Leute ins Konzert zu bringen – Education Arbeit warscheinlich und gute Werbung, ist viel wertvoller und effectiver als ein Orchester zu schliessen.
    Adam Weisman

    • Ja. Werbung ist gut. Und die Programme machen, die die Kunden wollen.
      Aber wenn die Orchester gute Programme machen würden, wären sie nicht in den roten Zahlen. Die Fusionsidee kommt ja nicht von ungefähr.
      Sicher kann man auch noch an manch anderen Stellen sparen, bevor man ganz schließt. Aber wenn andere Maßnahmen nicht helfen, ist eine Schließung das Effektivste, was es gibt.

      • “Aber wenn die Orchester gute Programme machen würden, wären sie nicht in den roten Zahlen.” Diese Aussage ist eine Frechheit! Die beiden Orchester machen hervorragende Programme!

        Aber jeder, der im klassischen Kulturbereich tätig ist oder auch nur ein wenig Einblick hat, weiß, dass sich alleine durch die Eintrittskarten ein Konzert mit einem größeren Orchester praktisch nicht finanzieren lässt.

        Zum Glück gibt es noch viele Kommunen, die trotz knapper Kassen wissen, wie wichtig hochwertige und trotzdem bezahlbare Kultur für das Gemeinwesen ist! Leider aber geht dieses Wissen in höheren Etagen offenbar immer mehr verloren.

  16. Die Krise, in der die ARD-Hörfunkabteilungen mit ihren Klangkörpern und Programmen derzeit stecken, hat auch ein Gutes:
    Die Fronten sind klar, die Feinde der gehobenen Musik und ihrer Programme haben sich geoutet. Hie künstlerisches Qualitätsbewusstsein, da betriebswirtschaftliches Kalkül. Schade nur, dass auf entscheidungsbefugter Ebene ein Geist vorherrscht, der die Verramschung der Programme zum Ziel hat. Für die Kunstinteressierten bleibt es unverständlich, wie gewissen Personen das, was sie wegrationalisieren wollen, in Wirklichkeit gar nicht zu fehlen scheint. Für sie ist Musik verzichtbarer Luxus und nicht Bestandteil einer echten Lebensqualität.

    • Manche Leute müssen einfach mal von ihrem hohen Ross herunter.
      Wer bestimmt eigentlich, was gehobene Musik ist? Was hat das – m.E. vollkommen berechtigte – betriebswirtschaftliche Kalkül mit einer Verramschung der Programme zu tun? Ihnen bleibt es unverständlich, dass “gewisse Personen” (das muss aber die große Mehrheit sein, sonst wären die Häuser nicht in den roten Zahlen) Musik nicht zu fehlen scheint? Welch eine Borniertheit.
      Nein, diese wirtschaftlich denkenden Menschen wollen vielleicht nur eine andere Musik. Durchaus auch eine klassische Musik, aber eine solche, die sie nachvollziehen können.

      • Danke, Herr Neuhaus, jetzt wissen wir, worum es geht: Sie wollen also nur Musik, die Sie nachvollziehen können.

        Wenn also die Bildung in Deutschland immer mehr abnimmt, müssen wir reagieren, indem wir das kulturelle Angebot dem schwindenden Verständnis anpassen?! Wahnsinn!!! Eben das ist der Zusammenhang zwischen “betriebswirtschaftlichem Kalkül” und “Verramschung” (wenngleich ich diesen Begriff als übertrieben empfinde). Wenn unsere Gesellschaft eine Zukunft haben soll, müssen wir alles dafür tun, hochwertige Kultur zu erhalten und unseren Kindern nahezubringen. Gerade hier leisten die SWR-Orchester Vorbildliches! Informieren Sie sich zum Beispiel einmal über das Programm “Jedes SWR-Konzert ist ein Schulprojekt”!

        Und mit Verlaub: Ob die Programme der beiden SWR-Orchester im Ganzen “gehobene Musik” darstellen, dürfte kein einigermaßen gebildeter Mensch ernsthaft bezweifeln!

  17. Es ist eine unglaubliche Kurzsichtigkeit in unserer Zeit an kulturellen Einrichtungen und Engagement sparen zu wollen.
    In einer Zeit, in der Gewalt überhand nimmt, soziales Miteinander langsam unbekannt wird, die Menschen durch Abhängigkeit vom Computer völlig den Boden unter den Füssen verlieren, die Profitgier ins Unermessliche steigt, ist die Kultur die einzige Möglichkeit eine Ethik des Lebens zu erhalten.
    Überall werden Studien veröffentlich, was Musik z. B. im Menschen bewirkt, aber leider ziehen die Verantwortlichen keine Konsequenzen daraus ( Beispiel Schule…)

    Kultur ist lebensnotwendig und dringenst erhaltungsbedürftig – in welcher Form auch immer!

  18. Das kann doch nicht sein, dass so eine Einsparung hunderte von Musikern in die Arbeitslosigkeit entlässt, die sowieso in anderen privaten Gruppierungen altruistische Arbeit leisten. Ohne feste Gagen könnten diese Musiker z.b. die Neue Musik nicht unterstützen.
    Was bleibt uns dann noch?
    Gibt es denn im 22. Jahrhundert keine Neue Musik mehr aus dem 21. Jahrhundert? Weil es kein Repertoire mehr gibt?
    Maria de Alvear

  19. Wenn man das so schon immer gehandhabt hätte, dann hätten wir kein Beethoven, Mahler, Wagner (Ligeti, Berg, Kurtag) und andere komponisten kennen lernen können.

    • Ich messe den Stand der Kultur nicht in der Quantität von Aufführungen sondern in ihrer Qualität. Will heißen: wie sehr ich mich als normaler Durchschnittsbürger unterhalten gefühlt habe.

      • Mit Verlaub, Sie verwechseln hier doch einiges. Kulturelle Reflexion mündet nun einmal nicht ausschließlich in Unterhaltung. Sie kann schmerzlich sein oder verstörend. Viele Menschen begreifen dies als Bereicherung ihrer Existenz. Wann waren sie zum letzten Mal in einem Konzert?

  20. Kultur ist kein Vergnügungsdampfer. Insofern ist das Bild der “Costa Cultura” so schief wie das ins Meer gekippte Kreuzfahrschiff. Erlebte Kultur ist kein Luxus, sie ist gelebte Freiheit, Diskussion, Horizonterweiterung, mithin existentiell notwendige Welterfahrung und Selbstverortung. Als solche ist sie den öffentlich-rechtlichen Sendern verfassungsrechtlich anbefohlen und gegen ökonomistische Anschläge wie dem jüngsten seitens des SWR zu schützen.

    • Mich würde interessieren, wieviel Prozent unserer Bürger Ihre These mit der “gelebten Diskussion” und “notwendigen Welterfahrung und Selbstverortung” verstehen und auch noch befürworten würden. In der Sache bringt sie hier nichts, weil Kultur auf unterschiedlichste Weise erlebt werden kann, z.B. mit einem fusionierten RSO Stuttgart. Einen Verfassungsauftrag an öffentlich-rechtliche Sender Kultur zu vermitteln (welcher Artikel im Grundgesetz?) gibt es meines Wissens nicht. Und selbst wenn man das annimmt, würden die Sender dem schon gerecht, indem sie den Komödienstadel bringen. Der hat wenigstens volle Häuser.
      Als Steuerzahler wünsche ich mir noch viel mehr solcher “ökonomistischer Anschläge”.

  21. Liebe Kollegen,

    vielen Dank für diese schöne Initiative! Ich habe mich natürlich auch sehr über die Ankündigung der Orchesterfusion beim SWR geärgert. Wer Olaf Mielkes und meine Aktivitäten bei MBM Musikproduktion und Coviello Classics kennt, kann sich denken, dass wir die Einlösung des Kulturauftrages bei der ARD noch von vielen anderen Seiten her kennenlernen und bewundern dürfen.
    In den nächsten Tagen erscheint hierzu ein Gastbeitrag von mir in der Badischen Zeitung in Freiburg. Zu Konzerten mit klassischer Musik fahren wir Freiburger dann demnächst ins Ausland. Nach Basel.

    Moritz Bergfeld

    • Die geplante Fusionierung ist zwar furchtbar, aber Sie müssen nicht nach Basel fahren, um weiterhin auf hohem Niveau “klassische” Musik zu hören. Es gibt schließlich noch zwei weitere professionelle Orchester, die in Freiburg ansässig sind und die man unterstützen sollte!

      MfG

      Fabian Grabert

      • Endlich mal was Konstruktives. Wobei neben den Orchestern in Freiburg sicher auch das fusionierte Orchester eine gute Adresse wäre.
        Merke: Wenn man ein Orchester auflöst, hat man gleichzeitig einen Beitrag zur Bestandssicherung mehrerer anderer Orchester in der Umgegend geleistet.

        Wenn aber unsere Kulturanbieter mal von ihrem hohen Ross heruntersteigen würden, könnte die Lösung nicht nur in der Angebotsreduzierung liegen sondern auch in einer stärkeren Ausrichtung am Geschmack eines breiteren Publikums und damit zu verbesserten Einnahmen, die dann wiederum auch mehreren Klangkörpern ihre Existenz sichern.

        • Sie haben ein echtes Problem, Herr Neuhaus. Ich vermute Neid. In der Sache muß ich Ihnen widersprechen, “Beitrag zur Bestandssicherung mehrerer anderer Orchester” durch eine Fusion ist das Dümmste, was ich die letzten Tage gelesen habe!

        • Genau darin besteht doch der öffentlich-rechtliche Auftrag: der Gesellschaft Dinge zu bieten, die als werttvoll für sie erachtet werden, sich aber nicht durch den “Geschmack eines breiteren Publikums” finanzieren lassen.

    • Schön gesagt. Ich habe auch manchmal Schwierigkeiten, die mir als “Kunst” dargebotene Leistung als Kunst wahrzunehmen.
      Was ist aber nun die Konsequenz daraus? Wenn ich ein Produkt am Markt anbiete, das keiner will, kann ich ja nicht einfach meine Kunden als Banausen beschimpfen oder sie auf ihre Kosten zu einer Schulung schicken, dass sie mein Produkt verstehen.
      Ich muss mich fragen ob ich Erfolg haben will. Erfolg heißt nicht Applaus von wenigen sondern volle Häuser zu kostendeckenden Preisen. Wenn ich Erfolg haben will, richte ich mich am Geschmack meiner Kunden aus. Wenn ich mich lieber selbst verwirklichen will, akzeptiere ich meine Armut und halte nicht beim Staat die Hand auf.

  22. Unbedingt müssen BEIDE Orchester erhalten bleiben. Beide haben ihren Einzugsraum und eigene Projektbereiche und leisten ihren Beitrag zur Erhaltung und Förderung von Kulltur.
    Kultur , in diesem Fall “Klangkultur”, sensibilisiert unsere Wahrnehmung, erweitert sie, lässt uns neue Zusammenhänge erfühlen, berührt uns, gibt unserem Alltag wenigstens für Momente die Möglichkeit, den Raum zwischen unseren oft so penetrierenden Gedanken zu ertasten.

    • Warum müssen beide Orchester erhalten bleiben? Weil sein muss was sein soll? Könnte nicht ein fusioniertes Orchester den gleichen Einzugsraum haben? Und könnte nicht ein fusioniertes Orchester beide Projektbereiche abdecken? Wenn die einzelnen Bereiche durch die Fusion nicht mehr so häufig bedient würden, würde das nicht die Zuschauerzahlen nach oben bringen und somit zu mehr Kostendeckung führen?

      • Wertester Neuhaus,
        gilt Ihre Einstellung auch gegenüber Museen, Bibliotheken, Schwimmbädern, Schulen, Krankenhäusern, Müllabfuhr, öffentliche Verwaltung, öffentlichen Verkehrsmitteln usw.?
        Stellen Sie sich doch mal vor, Sie müssten für Ihren Müll (ich meine jetzt nur den nonverbalen) und dessen Beseitigung die tatsächlichen Kosten bezahlen.
        Freuen Sie sich, wenn Sie für Ihre Steuern öffentliche Leistung geboten bekommen, und seien Sie sicher, dass Ihre Steuerlast nicht durch ein Sinfonieorchester erhöht wird…
        Im Übrigen werden die SWR- Orchester nicht von der Steuer, sondern von der Rundfunkgebühr bezahlt, in diesem Fall von mehr als einer Milliarden € SWR etwa 30 Mio. für alle SWR- Klangkörper!
        Ich hoffe jetzt mal wohlwollend, dass Sie nicht von der Rundfunkgebühr bezahlt werden…

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