Beitrag von Pi-hsien Chen

Die Fähigkeit des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden/Freiburg, vorhandene und
zukünftige Musik auf höchstem Niveau zu verwirklichen, ist beispielhaft und einzigartig in der Welt.
Es hat großen Komponisten die Geburten großer Werke ermöglicht. Sie ist eine lebendige Errungenschaft der Menschheit. Sie gilt es zu halten und zu pflegen.
Die beiden Rundfunkorchester des SWR sind so verschieden geformt durch ihr
Repertoire und ihr Publikum und nicht zuletzt durch jede individuelle Musiker-Person, aus der ein Orchester besteht. Sollten wir junge Menschen an den Musikschulen und Hochschulen denn für ihre zukünftige Arbeitlosigkeit ausbilden?
Mit vereinten Kräften sollten wir uns eher Länder wie Venezuela und Kenia zum Vorbild machen, die Kinder von der Straße zum Musizieren verführen. Aus China betrachtet ist Deutschland das Land der Kultur: die klassische Musik als Philosophie wird nicht nur als Geschichte und Bildung betrachtet, sondern ist Bestandteil des hiesigen Lebensstandards
und formt unser Denken und Bewußtsein. Deutschland ist sich der Einzigartigkeit seiner elitären Einrichtungen nicht bewußt, die das Niveau der Kultur in der Welt bestimmen.
Sie hat viele Kulturgüter hervorgebracht! Sollten wir das Geistige Schritt für Schritt zerstören?

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Beitrag von ed

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie Sie wissen, wird das Geld auch in der Denkmalpflege immer knapper. Wir
haben uns daher vorausschauend und in wohlverstandener Fürsorge im ersten
Planungsschritt dazu entschlossen nicht nur die Bauhütten des Mainzer Domes
und des Freiburger Münsters zusammenzulegen, nein, wir wollen nun auch
einen Superdom aus eben diesen beiden genannten Gotteshäusern, die unser
aller Stolz sind, bauen. Gerne nehmen wir übrigens Vorschläge für einen
geeigneten Standort von Ihnen an.

Warum haben wir uns zu diesem ebenso mutigen wie schwierigen Schritt
entschlossen?
Wie Sie wissen, schwindet die Akzeptanz der Kirchen bei uns im Land. Das
macht nicht zuletzt die große Zahl der Kirchenaustritte deutlich. Im
übrigen, schauen Sie mal, wer von Ihren Kolleginnen und Kollegen in den
vergangenen Monaten überhaupt einmal in einer Kirche war. Aufgrund der
angespannten Haaushaltslage und, weil wir in allen Bereichen von der
Bildung bis zu den Schwimmbädern alles auf den Prüfstand legen werden,
können auch das Freiburger Münster und der Mainzer Dom nicht von den
Sparüberlegungen ausgenommen werden. Wir haben berechnet, dass, wenn wir
jetzt nicht verantwortungsvoll handeln, uns die Mittel zum  Erhalt der
Gebäude – die Personalkosten sind da noch nicht einmal eingerechnet – in
zehn Jahren nicht mehr für alle Gebäudeteile zur Verfügung stehen werden.
Mittelfristig müssten die Krypta und der Altarbereich wegen drohender
Einsturzgefahr abgesperrt werden. Im Vergleich mit anderen Kirchen, die
übrigens wie der Köner Dom in Köln oder Notre Dame in Paris  im
Kirchenranking durchaus weiter vorne liegen, würden unsere beiden Kirchen
touristisch nicht mehr attraktiv sein.

Alle Pläne sind noch diskutierbar. Es gibt drei Varianten:
1.- Sowohl der Mainzer Dom als auch das Freiburger Münster kooperieren mit
Mac Donalds oder Burger King und finanzierenihren Erhalt über Hamburgers
und/oder Fritten.
2. Wir bauen den Mainzer Dom zurück zur Friedhofskapelle und stellen das
Freiburger Münster als Leuchtturm und starke Marke heraus, unterstützt von
professionellem Marketing.

oder 3. – und diesen Plan favorisieren wir unbedingt und eindeutig! -: Wir
bauen einen Superdom, der um ein Drittel größer ist als die bisher
bestehenden Kirchenbauten, auf der grünen Wiese.

Bis zum Sommer ziehen wir die Sache durch!

Beitrag von Johannes Schöllhorn

Der schöne Begriff Kultur kommt bekanntlich aus der Landwirtschaft und bedeutet etwas pflegen, einen Acker bestellen. Dass den Verantwortlichen, welche eine „Fusion“ zweier, also de facto die Auflösung eins Orchesters beschließen, der Begriff und der Sinn für diesen Ursprung des Kulturellen abhanden gekommen zu sein scheint, ist schwer übersehbar.
Es mag als Gutmenschentum oder auch als schwache Metapher erscheinen: aber eine Pflanze muss man gießen und pflegen, manchmal auch beschneiden, aber gerade nicht um sie zu vernichten, sondern um sie zur Blüte zu bringen. Und es geht nicht um Blüten, die alle gleich aussehen, sondern um einzigartige Qualitäten und gewachsene Charaktere. Eine verantwortliche Kulturpolitik müsste sich also in das Geschehen begeben und dazu beitragen, dass die Pflanzen, die sie pflegen sollte, gerade nicht ausgerissen oder verstümmelt wird, sondern durch ihre aktive Beteiligung in guter Weise wachsen kann. Sie müsste sich wie ein Gärtner verhalten. Weiterlesen

Beitrag von Reinhard Kretschmann

Die beiden Orchester fusionieren?
Das bedeutet im Klartext doch: kulturelle Ausdörrung der gesamten Rheinschiene im Südwesten. An solch einem Orchester wie dem Baden Baden/Freiburger Ensemble hängt nicht nur eine kulturell hochkarätige Präsentation unseres Landes Baden-Württemberg weit über unsere Grenzen hinaus.
Diese Musiker wirken auch in großem Umfang an der Förderung und Qualifizierung unserer ureigenen Landeskinder mit. Vernichtet man die Existenz dieser Musiker, sind auch die folgenden Generationen von qualifizierter Förderung ausgeschlossen. Es wird eine kulturelle Ödfläche entstehen, in vielem vergleichbar mit dem, was bei unseren west- und südeuropaischen Nachbarn zu beobachten ist. Freuen werden sich die russischen, polnischen und tschechischen Orchester, die die frei gewordenen Plätze – was die Konzertveransgtaltungen betrifft – gerne einnehmen werden.
Dieser einmal begonnene Kahlschlag wird dann seine Fortsetzung finden im Bereich der Musikschulen und Gymnasien und dann . . . in den Theatern, die zunehmend vor leeren Häusern spielen werden. Sie sind vor allem auf ein kuturell gebildetes Publikum angewiesen. Die kommen dann auch in die finanzielle Schieflage und . . . sie werden dann die nächsten Opfer dieser unverantwortlichen, blinden, zukunftsverbauenden Politik sein.
Wie kann man so etwas unserem Land antun?? Mit leichter Hand werden Miliarden Rettungspakete für die großen Verschulder der Finanzkrise geschnürt, (die munter weitermachen wie bisher und schon die nächste große Krise ansteuern.) Hier aber sind den Verwaltungsbürokraten ein paar lumpige Millionen zu viel!
Und man täusche sich nicht: die Schließung [die jetzt als "Zusammenlegung" kaschierte Sparmaßnahme] eines so berühmten Ensembles ist für immer. Ein so hochstehender, in langer Tradition herangewachsener Baum kann nicht einfach gefällt – und dann (falls die Zeiten mal wieder besser werden sollten) wieder schnell zum Leben erweckt werden. Dazu bräuchte es Generationen!

Es ist zu hoffen, dass es noch gelingt, den Mechanikern an den Finanzhebeln die unheimlich düsteren und unabsehbaren Folgen ihrer geplanten Rotstiftaktion vor Augen zu führen und sie nach weniger verhängnisvollen Einsparmöglichkeiten suchen zu lassen.
Unser Land Baden-Württemberg ist letztlich gerade auch wegen seines hohen kulturellen Standards das, was es ist: ein von Vielen nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit beneidetes, prosperierendes Gemeinwesen.

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Beitrag von Prof. Ekkehard Klemm

“Die Hälfte?” – unter diesem Titel erschien in dieser Woche in Deutschlands Nachrichtenmagazin, das von sich behauptet, wer es lese, wisse mehr als alle anderen, ein denkwürdiger Artikel. Vier Herren (ist es Zufall, dass keine Dame dabei ist?) veröffentlichen demnächst ein Buch unter dem Titel “Der Kulturinfarkt”. Der Artikel im Spiegel dieser Woche lässt Böses erahnen und wir müssen vielleicht dankbar sein, dass die Redaktion hinter die provozierenden zwei Worte der Überschrift wenigstens noch ein Fragezeichen gesetzt hat.
Worum geht es? Kurz und knapp um die folgende Frage: “Was wäre, wenn die Hälfte der Theater und Museen verschwände, einige Archive zusammengelegt und Konzertbühnen privatisiert würden? 3200 statt 6300 Museen in Deutschland, 70 staatliche und städtische Bühnen statt 140, 4000 Bibliotheken statt 8200 – wäre das die Apokalypse?”
Zugegeben, eine provokante Frage, die nicht wenig an Sprengkraft verliert, wenn die Autoren danach milde und mildernd vorschlagen, das Geld solle in die freie Szene, die Laienkultur und sogar – man höre und staune – in die Kunsthochschulen und die kulturelle Bildung fließen. Dagegen kann niemand etwas haben. Medienwirksam und suggestiv wird der Artikel auf der ersten Doppelseite von 28 bunten Innenaufnahmen deutscher Theater illustriert, Unterschrift: “Und was, wenn es sie wirklich nicht mehr gäbe?”
Tja, was eigentlich? Weiterlesen

Kurzbeitrag von Bettina Kerth

Die Kultur hat und hatte es immer schwer und ich finde es äußerst wichtig, dass Kulturbesonderheiten, wenn man die beiden Orchester so bezeichnen darf, erhalten bleiben. Alles ist eine Frage der Beeinflussung der Menschen, sagt man Ihnen, es sei schick sich bestimmte Dinge anzuhören, tun sie es! Und so sollten wir uns einfach überlegen, dass es wichtig ist, diese ZWEI Orchester zu behalten, und es so bekannt, wie möglich machen, damit viele mitbekommen, dass es wichtig ist!

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Beitrag von Lorenz Grau

Man könnte meinen, Kürzungen im Kultursektor gehören zum Alltag des deutschen Sparzwangs und es wäre ganz normal, Theater, Orchester und Co. nur noch unter betriebswirtschaftlichen Effizienzaspekten zu betrachten, allerdings vergessen manche Intendanten und Politiker dabei die folgenden kulturellen und sozialen Dimensionen:

1. Rundfunkorchester in Deutschland sind wichtige Arbeitgeber für
Orchestermusiker, sprich Zukunft für Studierende von
Orchesterinstrumenten! Stellenkürzungen oder Fusionierungen = weniger
Arbeitsplätze!

2. Gerade der SWR hat in den letzten Jahren radikal im Bereich
Ensembles gespart (SWR Vokalensemble, etc.). Eine weitere Kürzungswut
wäre ein falsches Signal für andere Rundfunkanstalten und könnte eine
Welle von Einschnitten in die Ensemblelandschaft Deutschlands
nach sich ziehen.

3. Die Bedeutung beider genannten Orchester strahlt über die
Sendegrenzen des SWR hinaus. Beide Orchester gehören zu den
renommiertesten im Bereich “Neue Musik” und eine Fusionierung wäre
gleichzusetzen mit der Zusammenlegung der Berliner Philharmoniker und
der Staatskapelle Dresden, ABSOLUT ABSURD!!!

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